Die 3 Arten von Schiebestöcken für die Holzbearbeitung

Lesezeit: 6 Min.

Schiebestöcke schützen Deine Hände und Finger vor Schnittverletzungen bei der Holzbearbeitung. Sie sind essenziell für die Holzbearbeitung. In diesem Artikel stelle ich die Eigenschaften dieser Führungshilfen sowie drei verschiedene Bauarten und ihre Einsatzgebiete vor.

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Was sind Schiebestöcke? 

Ein Schiebestock (Schiebeschuh oder Schiebeklotz)* ist Führungs- und Vorschubhilfe, die dem Holzwerker bei der sicheren Führung seines Werkstücks hilft, indem das Werkstück zuverlässig gegen Maschinentisch und Anschlag gedrückt wird, während die Finger außerhalb des Gefahrenbereichs des Elektrowerkzeugs verbleiben können. Führungshilfen sind eine Art "Sicherheitsvorrichtung", die in keiner Werkstatt fehlen dürfen.

* Auch wenn ein Schiebestock, Schiebeschuh, Schiebeklotz und Opferholz jeweils alle etwas anderes beschreiben, verwende ich die Begriffe in diesem Artikel einfachheitshalber Synonym.

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Welche Arten der Vorschubhilfen gibt es?

Im Lauf der Zeit wurden mehrere Arten von Schiebestöcken für unterschiedliche Anwendungen erfunden. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Begriff „Schiebestock“ für alle Varianten genutzt werden kann, auch wenn er meiner Meinung nach ebenfalls für einen speziellen Typ steht.

Klassischer Schiebestock

Ein klassischer Schiebestock ist eher schmal und länglich. Er wird hauptsächlich für den Vorschub des Werkstücks auf der Tischkreissäge genutzt. Schiebestöcke haben eine „Kerbe“ bzw. Schulter an der Vorderseite, mit der eine Kante des Werkstücks „gegriffen“ wird.

Seine wahre Stärke spielt er aus, wenn wenig Platz zwischen Längsanschlag und Sägeblatt der Tischkreissäge vorhanden ist. Bei solchen Arbeitsgängen erlaubt er eine sichere Führung des Werkstücks und hält die Finger aus dem Gefahrenbereich fern.

Der klassische Schiebestock kann auch an einem Frästisch bzw. einer Tischfräse helfen. Hier werden allerdings häufiger Schiebeklötze genutzt.

Schiebeblock

Schiebeklötze bestehen in der Regel aus einer flachen Unterlage auf der ein oder zwei Griffe befestigt werden. Das Holz für den Schiebeklotz ist meist ein Opferholz, da häufig hineingesägt oder -gefräst werden wird. Die Griffe sollten also verleimt und verdübelt und nicht verschraubt werden.

Für eine bessere Führung kann ein Stück Antirutschmatte oder Gummi auf die Unterseite geklebt werden. Sie erhöht die Reibung und damit die Traktion zwischen Schiebeklotz und Werkstück.

Eine Alternative zu Gummi ist das aussägen/-fräse oder anleimen einer Schulter auf der Unterseite des Opferholzes. Die Schulter hakt sich am Ende des Werkstücks ein und nimmt es so mit. Der „Haken“ dient gewissermaßen als Rücklaufsperre, der verhindert, dass das Werkstück durch die Schneiden entgegen der Vorschubrichtung zurückgeworfen wird.

Schiebeklötze werden in der Regel auf Tischfräsmaschinen bzw. Oberfrästischen oder Abrichthobelmaschinen verwendet.

Vorschubhilfen wie Schiebeblöcke müssen an Abrichthobelmaschinen über eine solche Schulter bzw. Rücklaufsperre verfügen.

Je nach Arbeitsgang können sie auch auf der Tischkreissäge verwendet werden. Da die Hände aufgrund der niedrigen Bauweise nah am Sägeblatt sind eignen sich hier ein Schiebestock oder ein Schiebeschuh besser.

Schiebeschuh

Schiebeschuhe bestehen in der Regel aus einem eher dicken Holzblock mit einem Griff (gesägt oder aufgeleimt). Je nach Ausführung hat ein Schiebeschuh ebenfalls einen Haken an der Unterseite für einen besseren Vorschub des Werkstücks.

Ein Schiebeschuh ist meist deutlich breiter als ein Schiebestock. Dadurch hat er mehr Auflage und ist stabiler in der Führung.

Alternative: Microjigs GRR-Riper

Der GRR-Ripper von Microjig ist eine hybride Schiebevorrichtung, die die Eigenschaften eines Schiebeblocks mit denen eines Schiebepads kombiniert. Er verfügt über eine verstellbare Basis, die es ihm ermöglicht, ein Tischsägeblatt zu überspannen oder als Schiebeplatte zu verwenden.

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Die vier W-s der Schiebestöcke

Auf YouTube sieht man regelmäßig, dass – auch bekannte – Holzwerker keinen Schiebestock verwenden. Ich halte das für gefährlich. Ein Schiebestock gehört zur Holzbearbeitung wie eine Säge.

Wieso sollte ich Schiebestöcke verwenden?

Mit einem Schiebestock hältst Du Deine Finger einfach und effektiv aus der Gefahrenzone des Elektrowerkzeugs heraus. Das reduziert die Gefahr, dass Du Dich verletzt immens.

Durch einen Schiebeklotz erreichst Du in der Regel sogar eine bessere Führung als mit Deinen Fingern. Das liegt eben genau an der Tatsache, dass Deine Hände außerhalb des Gefahrenbereichs liegen. Du musst daher nicht ständig aufpassen, dass Du Dich verletzt. Deine Konzentration liegt voll und ganz bei der Führung des Werkstücks. Das reduziert die Kickbackgefahr ungemein.

Sollte es doch einmal zu einem Kickback kommen, dann wird nur der Schiebestock zersägt – und eben nicht Deine Finger. Das ist für mich der wichtigste Grund für die Verwendung eines Schiebestocks.

Bei welchen Arbeitsgängen sollte ich Schiebestöcke verwenden?

Einen Schiebestock, Schiebeschuh oder Schiebeklotz solltest Du grundsätzlich bei jeder Benutzung von (halb-)stationärem Elektrowerkzeug verwenden. Also u.a. bei folgenden Holzbearbeitungsmaschinen:

  • Tischkreissäge
  • Kappsäge bzw. Gehrungssäge oder Radialarmsägen
  • Frästisch bzw. Tischfräse
  • Bandsäge
  • Abrichthobelmaschine

Einen Push-Stick solltest Du in jedem Fall verwendet werden, sobald Deine Finger beziehungsweise Hände näher als 30 cm an die Schneiden des Elektrowerkzeugs herankommen. Dieser Bereich stellt den Gefahrenbereich der Maschine dar und in diesem haben Deine Finger nichts verloren.

Bedenke, dass Du den Schnitt weit außerhalb der Gefahrenzone beginnen kannst, während des Arbeitsgangs aber dennoch in den Bereich hineingerätst. Daraus folgt für mich:

Verwende bestenfalls immer einen Schiebeschuh, Push-Stick oder Schiebestock. Wenn Du Dir die ständige Verwendung angewöhnst, hat das einen großen Vorteil: Häufige Nutzung führt zu Routine und die Routine lässt Dich Werkstücke mit Schiebestock ebenso genau führen wie mit der Hand – und ist dabei sicherer.

Wenn ich allerdings von mir auf andere schließen darf, dann ist der Ansatz „verwende den Schiebestock immer“ nicht immer einzuhalten. Es ist daher wichtig zu wissen, bei welchen Arbeitsgängen Du ihn auf jeden Fall einsetzen solltest.

Wofür sollte ich Schiebestöcke verwenden?

Ein Push-Stick schützt Dich – wie oben bereits angeführt – insbesondere bei Arbeitsschritten, bei denen Du mit Deinen Händen nah an die Schneiden Deines Werkzeugs herankommst.

  • Ein Schiebestock bewahrt Deine Hände und Finger vor Verletzungen und – schlimmstenfalls vor Amputation.
  • Sicheres Führen von (schmalen) Werkstücken ist mit einem Push-Stick oder Schiebeschuh deutlich leichter. Aufgrund der geringen Breite passt der Schiebestock meistens noch (bspw.) zwischen Sägeblatt und Längsanschlag.
  • Nahe der Sägezähne/Schneiden des Elektrowerkzeugs erlaubt Dir ein Schiebestock sicheres und stabiles Führen des Werkstücks. Mit den Händen kann bei engen Schnitten meiner Meinung nach nicht stabil und damit sicher geführt werden. Man konzentriert sich dabei immer auf die mögliche Verletzung und führt so, dass man die Hände schnell aus dem Gefahrenbereich herausbekommt. Stabil stelle ich mir anders vor. Letztlich erhöht man so selber die Kickbackgefahr.
  • Das Verhindern eines Kickbacks ist eine der Hauptaufgaben des Schiebestocks. Durch die sichere und stabile Führung erreichst Du immer einen korrekten Anpressdruck beim Arbeiten. Das Werkstück kann sich dadurch nicht mehr so leicht verkanten. Beides reduziert die Gefahr eines Kickbacks.
  • Sollte es doch einmal zu einem Kickback oder einem anderen Unfall kommen, sind durch den Push-Stick Deine Finger stets außerhalb der Gefahrenzone. Es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass die Maschine Deine Hände oder Finger in das Sägeblatt, den Fräser oder die Hobelmesser hineinzieht. Es wird schlimmstenfalls Dein Schiebestock zersägt. Und: Dafür ist er da, das ist seine Aufgabe.
    • Bei wiederholten Schnitten, musst Du vermutlich regelmäßig Schnittreste oder schmale Werkstücke zwischen Schneide und Anschlag entfernen. Das kann man mit den Fingern machen, wenn man keinen Wert auf zehn Stück legt. Man kann auch jedes Mal die Maschine anhalten – was den Arbeitsgang deutlich verzögert. Oder man schiebt das „störende“ Objekt eben mit dem Schiebestock schnell und sicher aus dem Weg.

Welche Eigenschaften sollten Schiebestöcke aufweisen?

Push-Sticks sollten drei essentielle Eigenschaften aufweisen:

  1. Sie müssen starr sein.
  2. Sie müssen bei der Anwendung beide Hände des Holzwerkers schützen.
  3. Sie müssen Dir beim Gebrauch ermöglichen, festen und gleichmäßigen Druck auf das Werkstück auszuüben.

Ein Schiebestock, der nicht starr ist, birgt logischerweise das Risiko, dass er bei der Arbeit nachgibt. Das führt schlussendlich zu der Gefahr, die wir verhindern wollen: Dass Du Dich an den Schneiden des Werkzeugs verletzt.

Ein Beispiel für einen nicht starren Schiebestock wäre ein zu dünnes Stück Holz aus der Restekiste, das als Schiebestock beziehungsweise Opferholz genutzt wird. Ein (zu oft) angesägter Schiebestock verliert ebenfalls seine Stabilität – vor allem, wenn er mittig angesägt wurde.

Können nicht beide Hände effektiv vor einer Verletzung geschützt werden, ist die Sinnhaftigkeit des verwendeten Schiebestocks fraglich. Bei manchen Opferhölzern, die für ihren finalen Auftritt aus der Restekiste genommen werden, kann es sein, dass sie bspw. zu kurz sind. Der Schutz ist dann nicht ausreichend.

Ist es Dir nicht möglich, mit einem Push-Stick ausreichend und gleichmäßigen Druck aufzubauen, dann solltest einen anderen Schiebestock benutzen. Es ist gerade der Druck, der die Kickbackgefahr verringert.

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