Ausschnitt der Stammprojekte Holzwerkstatt

Wie man Holz richtig verleimt

Eine gute Verleimung erscheint manchmal schwierig. Kennst du allerdings die Leimzeiten, die benötigte Menge an Leimauftrag und weißt, wie du das Verleimen planen kannst, dann ist es ziemlich einfach eine gute und starke Leimfuge herzustellen.

Eine gute Verleimung erscheint manchmal schwierig. Kennst du allerdings die Leimzeiten, die benötigte Menge an Leimauftrag und weißt, wie du das Verleimen planen kannst, dann ist es ziemlich einfach eine gute und starke Leimfuge herzustellen.

Leimzeiten

Verleimen braucht Zeit, aber nur zu wissen, ab wann die Zwingen von zwei zu verleimenden Teilen, den Fügeteilen, wieder entfernt werden können, reicht nicht aus, um gute Verbindungen herstellen zu können. Wie lange Holz verleimt werden muss, hängt von unterschiedlichen Zeitspannen ab. Neben der (Mindest-)Presszeit, die wahrscheinlich jeder kennt, gibt es unter anderem die Offene Zeit sowie die Topfzeit. Beides beeinflusst, wie gut die Leimfuge am Ende wird.

Die Zeitspannen – vom Anrühren bis zum Abbinden

Topfzeit. Die Topfzeit gibt an, wie lange ein Leim bzw. Klebstoff verarbeitet werden kann. Sie ist vor allem für chemisch härtende Klebstoffe relevant, da der Aushärtungsprozess hier durch das Mischen zweier Stoffe eingeleitet wird. Ein Beispiel wäre Zwei-Komponenten beziehungsweise Epoxykleber. Sobald das Harz mit dem Härter gemischt wurde, beginnt die Topfzeit.

Das Überschreiten der Topfzeit wird dadurch bemerkbar, dass der Klebstoff steifer wird und immer schwerer verarbeitet werden kann. Letztlich gibt die Topfzeit also die Gebrauchsdauer an. Bei Weißleim ist die Topfzeit nicht relevant, solange er in einem verschlossenem Gebinde aufbewahrt wird.

Offene Zeit. Wird der Leim auf ein zu verleimendes Teil aufgetragen, beginnt die offene Zeit. Sie beschreibt die Zeit innerhalb der Fügeteile zusammengefügt und gegebenenfalls der Pressdruck aufgebaut werden müssen. Je kürzer die Offene Zeit ist, desto weniger Zeit bleibt zwischen verleimen und verpessen der Fügeteile. Müssen viele Teile gleichzeitig verleimt werden oder ist der Pressdruck umständlich aufzubauen – beispielsweise bei winkligen Verbindungen -, dann sollte auf eine lange Offene Zeit geachtet werden.

(Mindest-)Presszeit. Ist der Pressdruck auf eine Verbindung aufgebaut, muss dieser eine gewisse Zeit lang aufrechterhalten werden. Das ist die (Mindest)-Presszeit. Nach dieser Zeit ist entweder Handfestigkeit oder Endfestigkeit erreicht. Wird Endfestigkeit erreicht, ist die Presszeit identisch mit der Aushärtezeit. Wird „nur“ Handfestigkeit erreicht, ist die Klebfuge noch nicht vollständig ausgehärtet. Die Verklebung ist aber bereits so stark, dass weitergearbeitet werden kann.

Abbindezeit. Die Zeitspanne bis die Verbindung die Handfestigkeit erreicht hat. Die Verbindung hat ihre vollständige Härte noch nicht ausgebildet. Der Pressdruck kann aber schon aufgehoben werden und Du kannst ggf. am Werkstück weiterarbeiten.

Beim Weiterarbeiten musst Du allerdings beachten, dass sich die Leimfuge wieder öffnen (brechen) kann, wenn Du starken Druck auf sie ausübst. Je nachdem, wie weitergearbeitet werden soll, empfiehlt es sich zu warten, bis die Leimfuge vollständig ausgehärtet ist.

Aushärtezeit.  Nach der Aushärtezeit hat die Verbindung ihre Endfestigkeit erreicht. Erst nach der Abbindezeit kann eine Verklebung voll belastet werden.

Zeiten sind relativ

Die auf dem technischen Merkblatt angegebenen Zeitspannen sollten nur als Anhalt dienen. Wie lange etwa die Offene Zeit tatsächlich ist, hängt maßgeblich von einigen Faktoren ab. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und das zu verleimende Holz sind Faktoren, die beeinflussen, wie lange Du Dir beim Verleimen Zeit lassen kannst – und hinsichtlich der Presszeit lassen musst.

Meist sind die angegebenen Zeitspannen für Raumtemperatur (ca. 20 °C) und normale Luftfeuchte (40-60 %) ausgelegt. Wenn es beispielsweise deutlich wärmer und trockener ist, kann die Offene Zeit kürzer sein, was bedeutet, dass Du schneller verleimen musst. Da sich das auch auf die anderen Zeitspannen auswirkt, ist die Presszeit dafür aber ebenso kürzer. Ist die Werkstatt deutlich kälter, verlängert sich die Abbinde- und Aushärtezeit deutlich

Um abzuschätzen, wie lange eine Verleimung bei der Abweichung von 20 °C dauert, kann man die Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel (RGT-Regel, auch van-’t-Hoff’sche Regel) zurate ziehen. Sie besagt, dass bei 10 °C Temperaturunterschied eine chemische Reaktion doppelt so schnell (10 °C wärmer) oder nur halb so schnell (10 °C kälter) abläuft. Nachdem Verleimen auch nur eine chemische Reaktion ist, bietet das einen groben Anhalt.

Ich würde die RGT-Regel allerdings nur als groben Anhalt nehmen. Vor allem, wenn es wärmer ist und schneller gehen könnte. Verpresst man bei 30 °C zu kurz und die Verbindung bricht, ärgert man sich unglaublich, nur weil man zu ungeduldig war. Im Zweifel ist es sicherlich besser, Du erhältst den Pressdruck etwas zu lang aufrecht.

Leimauftrag

Ein wichtiger Aspekt beim richtigen Verleimen von Holz ist der Auftrag der richtigen Menge von Holzleim. In vielen (amerikanischen) YouToube Videos wird offensichtlich nach dem Motto „Viel hilft viel“ verfahren. Das ist aber Quatsch und sorgt für mehr Arbeitsaufwand während dem Verleimen und schlimmstenfalls für eine schwache Leimfuge.

Durch zu viel Leimauftrag verschaffst Du Dir aus mehreren Gründen mehr Arbeitsaufwand:

  1. Die Fügeteile rutschen aufeinander herum und müssen zusätzlich fixiert werden. Das ist gerade bei Gehrungsverbindungen besonders aufwendig. Teilweise klappt es auch nicht richtig und man hat am Ende eine unsaubere Verbindung oder einen Versatz.
  2. Durch das herumrutschen wird Leim an Sichtflächen geschmiert, den Du anschließend entfernen und die Stelle schleifen musst, bevor Du eine Oberflächenbehandlung auftragen kannst.
  3. Der überschüssige Leim quillt aus der Leimfuge und verunreinigt die Sichtflächen zusätzlich. Und gerade in der Nähe der Leimverbindungen schleift es sich ja besonders umständlich.
  4. Es verbraucht unnötig Material. Das verursacht zwar nicht mehr Arbeitsaufwand, kostet aber unnötig Geld.

Neben dem zusätzlichen Arbeitsaufwand kann die Leimfuge durch zu viel Leim geschwächt werden. Wird der überschüssige Leim nicht aus der Fuge gepresst, wird das Holz nicht miteinander, sondern jeweils mit dem Leim verklebt. Es entsteht also eine Holz-Leim-Leim-Holz Verbindung.

Bei der richtigen Menge Leim erkennst Du unter dem Weißleim noch das Holz, aber die feinen Details der Maserung werden durch den Weißleim größtenteils überdeckt.

Weißleim wurde auf Stirnholz aufgetragen. Durch die richtige Auftragsmenge ist nur noch die Grobmaserung noch erkennbar
Bei der richtigen Leimauftragsmenge ist nur noch die grobe Maserung erkennbar. Feine Maserungsdetais überdeckt der Leimauftrag

Verleimen planen

Ich persönlich finde Verleimen furchtbar. In aller Regel kommt bei diesen Arbeitsschritt Hektik oder Stress auf. Gern genommen sind die Zwingen, die nicht richtig halten, der Leim aber trotzdem langsam aber sicher abbindet.

Um das ein wenig abzumildern solltest Du das Verleimen von größeren Werkstücken bzw mehreren Einzelteilen auf jeden Fall planen. Das reduziert das Stressrisiko deutlich. Ein gut geplanter Verleimvorgang stärkt auch die Leimfuge, weil von Anfang bis Ende guter Pressdruck anliegt.

Verleimen zu planen ist gar nicht schwer. Es gibt ein paar grundlegende Schritte, die es zu beachten gilt.

  1. Markiere die Einzelteile. Im Prinzip ist es egal, wie viele Teile es sind: Markiere die Teile! Ich hab aus Unachtsamkeit auch schonmal zwei Teile verkehrt herum (schöne Seite innen, etc.) verleimt – und das nicht nur einmal. Das ist vermeidbar. Werden die Teile mit dem Schreinerdreieck markiert, dann erkennst Du sehr schnell, wenn sie nicht 100% zueinander passen. Je komplizierter die Verleimung, desto wichtiger ist es.
  2. Führe ein trockenes Verleimen (dry fit) durch. Dabei fügst Du alle Teile ohne Leim zusammen. Hierbei prüfst Du, ob
    • alle Verbindungen passen oder zu fest oder zu locker sind,
    • alle Teile die richtige Länge haben oder eines vielleicht ein wenig zu lang oder zu kurz geraten ist,
    • die Teile im richtigen Winkel zueinander stehen, wenn sie verbunden sind (kleinere Abweichungen kommen vor und werden beim Verleimen korrigiert, größere müssen nachgearbeitet werden),
    • die Spannweite der Zwingen inklusive Zulagen ausreicht und ob die Zwingen auch halten – das ist gerade bei runden Teilen oder winkligen Verbindungen wichtig.
  3. Beim dry-fit stellt sich manchmal heraus, dass man eine besondere Zulage, beispielsweise mit einem bestimmten Winkel, braucht, damit Zwingen besser halten. Wenn das der Fall ist, sollte die Zulage noch hergestellt werden.
  4. Lege die Reihenfolge der Verleimung fest. Bei manchen Verleimungen ist es egal, welches Teil mit welchem zuerst verleimt wird. Meistens ist es aber so, dass es eine Reihenfolge gibt, die das Verleimen deutlich einfacher macht. Hier kannst Du nur ausprobieren und solange dry fits machen, bis Du eine einfache und schnelle Reihenfolge hast.
  5. Lege Dir alle benötigten (in der richtigen Reihenfolge) Teile zurecht:
    • die Werkstückteile
    • Zwingen mit Zulagen
    • Leim und Leimpinsel oder -spachtel für den Leimauftrag
    • ein Tuch oder einen Schaber zum Abwischen überschüssigen Leims sowie
    • eine Sprühflasche mit Wasser – ebenfalls für den überflüssigen Leim, der mit Wasser leichter weggewischt werden kann.

Ist das alles geplant und vorbereitet, geht das Verleimen deutlich stressfreier. Auf den ersten Blick sieht das nach viel Vorarbeit aus. Ist es aber nicht. Die Punkte sind recht schnell abgearbeitet und das Verleimen kann losgehen. Überspringt man die Planung, dann verbringt man hinterher oft ein vielfaches der Zeit, die man "gespart" hat damit, die schlechte Verleimung wieder aufzutrennen und/oder aufzuarbeiten und wieder verleimfähig zu machen.

Das Stammprojekte Logo zeigt ein Kreissägeblatt, das in einen Baumstamm übergeht.

Über Tobias

Ich bin der Gründer von Stammprojekte. Seit ich Pinterest entdeckt und mir deswegen eine Kreissäge gekauft habe, bin ich fasziniert von den unendlichen Möglichkeiten der Holzbearbeitung und bedenklich viel in der Werkstatt.

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