Messen oder anpassen?

Lesezeit: 3 Min.

Wer gute Möbel herstellen will, muss gut messen. Richtig? Aber warum können Messwerkzeuge dann eigentlich nicht auf den Zehntelmillimeter genau abgelesen werden? Viel wichtiger als jederzeit absolut perfekt zu messen, ist zu wissen, wann und vor allem, welche Genauigkeit gefragt ist, und wann nicht.

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Genauigkeit beim Messen und Arbeiten ist fraglos wichtig. Schließlich sind 1/10mm Abweichungen häufig bereits sicht- oder fühlbar. Aber kennst Du die Toleranz Deiner Messwerkzeuge? Letztlich misst keines 100% exakt und weist in der Regel eine kleine Abweichung auf...

Viel wichtiger als jederzeit absolut perfekt zu messen, ist daher, zu wissen, wann und vor allem, welche Genauigkeit gefragt ist. Und wann Messpräzision eben keine Rolle spielt.

Das Problem liegt darin, dass wir ja meistens vom Ende her denken:

Ein Korpus soll 1.200 mm breit sein. Das verwendete Holz besitzt eine Stärke von 28 mm. Somit beträgt das lichte Maß 1.144 mm (1.200 - 2 × 28). Die Längszarge soll eine Zapfenverbindung haben. Demnach muss sie insgesamt 1.162 mm lang sein (1.144 mm + 2 × 9 mm). Der beiderseitige Zuschlag von 9 mm ist für die Herstellung der Zapfenverbindung.

Die Frage lautet: Ist es tatsächlich wichtig, ob das lichte Maß exakt 1.444 mm beträgt? Spielt es eine Rolle, ob die Längszarge insgesamt tatsächlich 1.162 mm lang ist? Zusammengefasst: Ist es relevant, ob der Korpus am Ende 1.199 mm oder vielleicht 1.201 mm anstatt der geplanten 1.200 mm breit ist?

In den meisten Fällen ist das egal. Viel wichtiger ist hier doch nur eines: Die (Zapfen-)Verbindung muss sitzen!

(Die einzige Ausnahme existiert beim Einpassen eines Möbels in Nischen. Aber auch da tritt Messen meist zurück. S.u.)

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Passgenauigkeit schlägt Maßgenauigkeit

Hier kommt ein bedeutender Unterschied zum Tragen: Passgenaues Arbeiten ist wichtiger als maßgenaues Arbeiten. Das optische und funktionale Ergebnis zählt. Letztlich wird beides gut, wenn Du Deine Werkstücke passgenau herstellst.

Um passgenau arbeiten zu können, bietet es sich an, dass Du mit einem Teil anfängst und das nächste jeweils daran anpasst. Mit dieser Methode kannst Du auch ein Möbelstück in eine definierte Nische einpassen. Und zwar so, dass es am Ende tatsächlich passt.

Ähnliches gilt für das Einstellen von Werkzeugen und Anschlägen. Passgenaues Arbeiten schlägt das maßgenaue. Möchtest Du zwei 18 mm Bretter mit einer Nut- und Federverbindung (genauer: Spundung) verbinden, dann bieten sich Dir zwei Möglichkeiten:

Messen und Rechnen

Du kannst die errechneten Maße nehmen: Die Nut ist 1/3 der Brettstärke breit, also 6 mm und mittig angebracht. Für die beiden Federn müssen demnach an beiden Seiten 6 mm abgenommen werden.

Anschließend kannst Du die Anschläge für den Fräser mit einem elektrischen Messschieber perfekt maßgenau einstellen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es trotzdem nicht passen und schlimmstenfalls ist die Verbindung bereits locker, weil zu viel Material abgenommen wurde.

Herantasten und Anpassen

Du kannst aber auch erst eine 6 mm Nut fräsen und anschließend am anderen Brett beidseitig erstmal nur 5 mm wegnehmen. Von hier aus stellst Du die Fräshöhe/Anschläge immer wieder nach und tastest Dich an das optimale Maß heran. Solange, bis es passt.

Die Verbindung wird sich mit dieser Herangehensweise nahtlos zusammenfügen lassen. Eben, weil Du sie passgenau gearbeitet hast. Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, ob Deine Bretter wirklich 18 mm stark sind, oder etwas mehr oder weniger – oder ob der Fräser durch das Schärfen nicht mehr 6 mm misst.

Was will ich damit sagen? Versteife Dich nicht zu sehr auf genaue (Maß-)Zahlen. Natürlich sind sie relevant, wichtiger ist aber, die Teile aneinander anzupassen, anstatt sich auf (errechnete) Maße zu verlassen. Berücksichtigst Du das, baust Du Deine Projekte künftig erfolgreicher und vor allem entspannter.

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