Ausschnitt der Stammprojekte Holzwerkstatt

Normänderung für stationäre Oberfräsen

Wenn Du planst, eine Fräse für einen Frästisch zu kaufen, solltest Du Dich beeilen. Im Dezember ändern sich die Vorschriften für Oberfräsen. Die Änderungen verhindern den sinnvollen Einbau von neuen Oberfräsen in Frästische.

Normänderung für stationäre Oberfräsen und Tischfräsen DIN EN 60745-2-17 – Sicherheit bei handgeführten Oberfräsen

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Am 21.12.2021 tritt eine neue Version der DIN EN 60745-2-17 in Kraft. Sie ersetzt dann die bisherige Fassung. In der überarbeiteten Version ist eine Änderung enthalten, welche das Einschalten von Oberfräsen betrifft. Kurz zusammengefasst bedeutet diese Änderung:

Handgeführte Fräsen dürfen nur noch mit Wiederanlaufschutz produziert werden.

Wie die Zusammenfassung zustande kommt, wird klar, wenn wir uns die Änderung im Wortlaut ansehen:

Die Änderung im Wortlaut

Der betreffende Abschnitt der DIN EN 60745-2-17 lautet:

Für Oberfräsen muss entweder

  • der Leistungsschalter ein selbstrückstellender Leistungsschalter ohne Möglichkeit der Arretierung in „Ein“-Stellung sein,

oder

  • das Elektrowerkzeug darf nach einer Unterbrechung der Stromversorgung nicht wieder anlaufen, ohne dass der Leistungsschalter losgelassen und wieder betätigt wird.
EN 60745-2-17 Elektrische motorbetriebene handgeführte Werkzeuge - Sicherheit - Teil 2-17: Besondere Anforderungen für handgeführte Oberfräsen

Was beutetet das im Detail?

Technische Auswirkungen der Änderungen

Es gibt ab Dezember 2021 nur noch zwei Möglichkeiten, Oberfräsen zu produzieren:

  1. Der Leistungsschalter bzw. Einschaltknopf kann nicht mehr arretiert werden. Wird der Schalter losgelassen, geht die Fräse aus (= selbstrückstellender Leistungsschalter).
  2. Der Einschaltknopf kann arretiert werden. In der Oberfräse muss dann aber ein elektronischer Wiederanlaufschutz verbaut sein. Das bedeutet:
    Wird die Stromversorgung unterbrochen und wiederhergestellt, darf die Fräse nicht starten. Der arretierte Einschaltknopf muss erneut manuell betätigt werden.

Beide Varianten sind ein Wiederanlaufschutz. Die erste ein manueller, die zweite ein technischer.

Die Änderung erhöht die Arbeitssicherheit, was grundsätzlich zu begrüßen ist. Aber beide Varianten haben zur Folge, dass eine Oberfräse nicht mehr sinnvoll in einen selbstgebauten Frästisch eingebaut werden kann.

Auswirkungen auf den Frästischbau

Baust Du eine Fräse, die den neuen Vorschriften entspricht, in einen Frästisch ein, entsteht folgendes Problem:

Bei Variante 1 ist ein externer Schalter sinnlos. Du kannst die Fräse nur starten, wenn Du eine Hand ständig am Einschalter der Fräse hast.

In Variante zwei wird das Problem erst auf den zweiten Blick deutlich: Die Oberfräse ist an einen externen Schalter angeschlossen, der die Stromzufuhr regelt. In der Regel ist das ein Nullspannungsschalter.

Der Einschaltknopf wird arretiert, die Fräse läuft. Sobald Du aber die Oberfräse mit dem externen Schalter ausschaltest, wird die Stromversorgung zur Oberfräse getrennt. Schaltest Du den externen Schalter wieder ein, läuft der Motor aufgrund des eingebauten Wiederanlaufschutzes nicht wieder an.

Die Wirkung des Nullspannungsschalters ist für die Fräse die gleiche wie bei einem Stromausfall. Deswegen läuft sie nicht wieder an. Während das bei einem Stromausfall gewünscht ist, ist es bei einem Frästischeinbau mit externer Schaltung massiv störend.

Um den Motor der Fräse erneut zu starten, müsstest Du die Arretierung des Einschalters an der Fräse lösen und erneut betätigen. Erst dann läuft sie wieder an.

Handlungsmöglichkeiten

Es gibt drei Möglichkeiten, auf diese Änderung zu reagieren:

1. Rechtzeitiger Kauf einer „alten“ Oberfräse

Die Änderungen treten erst am 21.12.2021 in Kraft. Bis dahin dürfen noch Oberfräsen, die für den Einbau geeignet sind, produziert werden.

Ab dem 21.12.2021 gilt eine Übergangsfrist, in der Altbestände verkauft werden dürfen. Ist eine Fräse ab da ausverkauft, wirst Du sie nicht mehr bekommen. Ich empfehle Dir folgende Fräsen:

2. Kauf eines Fräsmotors

Fräsmotoren sind nicht von der Änderung betroffen. Du kannst beim Bau eines Frästisches also auf einen Fräsmotor ausweichen. Der einzige „Nachteil“ ist, dass Du selber einen Lift für den Fräsmotor bauen musst.

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3. Kauf einer normenkonformen Oberfräse

Einige Hersteller werden ihre Oberfräsen an die geänderte Norm anpassen. Sie werden die Fräsen so umgestalten, dass sie die Norm erfüllen und trotzdem in einen Frästisch eingebaut werden können.

Die DeWalt DWE627KT-QS ist ein Beispiel für solch eine Fräse.

Weiterführende Links

  • DIN EN 62841-2-17 Elektrische motorbetriebene handgeführte Werkzeuge, transportable Werkzeuge und Rasen- und Gartenmaschinen - Sicherheit - Teil 2-17: Besondere Anforderungen für handgeführte Oberfräsen online lesen (erst nach Kauf).
Das Stammprojekte Logo zeigt ein Kreissägeblatt, das in einen Baumstamm übergeht.

Über Tobias

Ich bin der Gründer von Stammprojekte. Seit ich Pinterest entdeckt und mir deswegen eine Kreissäge gekauft habe, bin ich fasziniert von den unendlichen Möglichkeiten der Holzbearbeitung und bedenklich viel in der Werkstatt.

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