Wiederholgenau schärfen: Winkeleinstellbrett für die Schärfführung

Lesezeit: 8 Min.

Nur wenn Deine Schärfführung korrekt eingestellt ist, kannst Du damit einen definierten Schneidwinkel bequem, einfach und wiederholgenau schärfen. Ein Winkeleinstellbrett erleichtert das wiederholgenaue Einstellen des Schärfwinkels an der Schärfführung.

Dieser Artikel enthält mit (W) gekennzeichnete Produktlinks, für die ich möglicherweise eine Werbekostenerstattung erhalte. Mehr Infos.

Das größte Problem beim Schärfen ist, den angeschliffenen Schneidwinkel wiederholgenau anzuschärfen. Wird das zu schärfende Eisen zu weit vorne oder hinten eingespannt, wird eine andere Schneidgeometrie angeschliffen.

Mit einem Winkeleinstellbrett ist das kein Problem. Gleiche Schärfwinkel lassen sich immer wieder schnell und wiederholgenau einstellen. Freihändig lässt sich ein Winkel nur schwer bis gar nicht zu 100 % wiederholgenau anschleifen.

Bei einer Universal-Schärfführung ergibt sich noch ein weiteres Problem beim Schärfen: Das Hobeleisen wird von oben geklemmt.

Das Eisen wird dadurch nicht zwangsläufig rechtwinklig eingespannt. Die Schneide würde also schief angeschliffen. Mit dem Einstellbrett kann ich das Eisen immer mit einem 90° Winkel einspannen.

Ich besitze die Universal-Schärfführung von Dictum und die klemmt von oben. Bisher habe ich mich daher immer schwergetan, ein Stemmeisen oder ein Hobeleisen im rechten Winkel zu schärfen. Das Einstellbrett erleichtert mir das Einstellen deutlich.

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Anwendung des Winkeleinstellbretts

Das Einstellen des Schärfwinkels geht mit dem Einstellbrett extrem schnell:

  1. Hobeleisen oder Stechbeitel in die Schärfführung einlegen.
  2. Die Führung mit dem Anschlag an die Vorderkante der Einstellhilfe anlegen.
  3. Das Eisen bis an den Stoppblock schieben.
  4. Rechtwinkligkeit am äußerst rechten Stoppblock kontrollieren und ggf. nachjustieren.
Einstellen des Anschliffwinkels am Stoppblock. Hier: 25°.

Das Einstellbrett erleichtert auch das wiederholgenaue Anschleifen einer Mikrofase. Hierzu wird nur ein kleines Holzplättchen benötigt. Die Stärke sollte ca. 0,5 - 1 mm betragen. Wäre das Plättchen stärker, würde der Winkel zu sehr abweichen.

Einstellen der Mikrofase mit einem kleinen Abstandshölzchen

Mit dickeren Abstandsplättchen können Zwischenwinkel eingestellt werden. Da ich die Anschlagsblöcke in 5° Schritten aufgeleimt habe, kann das hilfreich sein, wenn beispielsweise 27,5° statt 25° oder 30° angeschliffen werden sollen.

Die Teile des Winkeleinstellbretts

NummerBeschreibungMengeLängeBreiteStärkeMaterial
1Grundplatte1380mm140mm18mmBuche Leimholz
2Sockelleisten für Grundplatte2380mm12mm18mmBuche Leimholz
3Längsrahmen2400mm30mm10mmAkazie (Robinie)
4Querrahmen2140mm30mm10mmAkazie (Robinie)
5Anschlagblock750mm15mm10mmAkazie (Robinie)

Das Winkeleinstellbrett besteht aus einer Grundplatte, die durch einen Sockel erhöht wird, damit das Hobeleisen bequem und winkeltreu in der Schärfführung eingespannt werden kann.

Auf die Grundplatte werden sieben Anschlagblöcke geleimt. Sechs davon sind zum Einstellen des jeweiligen Winkels. Bei mir sind das: 15°, 20°, 25°, 30°, 35°, und 40°. Ein weiterer Anschlagblock dient dem rechtwinkligen Einspannen des Hobeleisens oder Stemmeisens.

Die Grundplatte wird aus optischen Gründen durch einen Rahmen aus Akazie eingefasst. Das ist optional, schafft aber einen schönen Kontrast zur Buche und harmoniert farblich mit den Anschlagblöcken, die ebenfalls aus Akazie sind. Außerdem verdeckt es die zwei Sockelleisten.

Zuschneiden und Verleimen der Grundplatte

Eine Leimholzplatte in den passenden Maßen für die Grundplatte hatte ich noch als Restholz. Daher musste ich keine aus einer größeren Platte zurechtschneiden.

Von der Grundplatte habe ich noch zwei Sockelleisten abgesägt. Die Leisten haben eine Breite von 12 mm.

Zuschneiden der beiden Sockelleisten

Die Sockelleisten werden um 90° gedreht auf die Grundplatte aufgeleimt. Durch die Drehung sind die Leisten 12 mm hoch und 18 mm breit. Die Gesamthöhe der Sockelleisten und die Stärke der Grundplatte ergibt 30 mm.

Das ist eine gute Höhe, um später ein Hobeleisen oder einen Stechbeitel bequem in die Dictum Schärfführung einzuspannen. Solltest Du eine andere Führung haben, musst Du mit ein paar Reststücken ausprobieren, welche Höhe für Deine Schärfführung passend ist.

Verleimen der Sockelleisten mit der Grundplatte. Den Überstand habe ich mit einer Handsäge abgesägt.

Während der Leim anzog, habe ich aus einer 10 mm Akazie starken Leimholzplatte die vier Leisten für den Rahmen geschnitten. Die Leimholzplatte kommt von einem alten Ikea Übertopf. Hätte ich diesen nicht über gehabt, hätte ich die Leisten aus einer normalen 18 mm Leimholzplatte geschnitten.

Die Leisten sind ca. 30,5 mm breit, damit sie so hoch sind, wie die Grundplatte mit den Sockelleisten. Der Überstand von ca. 0,5 mm wird später heruntergeschliffen. Das garantiert eine perfekt ebene Oberfläche.

Letztendlich ist der Akazienrahmen nicht notwendig und erfüllt nur eine optische Funktion. Daher könnte er auch weggelassen werden. Ich finde, dass auch Jigs und Werkstatthilfen gut aussehen sollten. Man nimmt sie dann gerne in die Hand. Das ist vor allem beim Schärfen wichtig, denn wer schärft schon gerne?

Die Rahmenleisten habe ich nach aufgeleimt, sobald der Leim der Sockelleisten trocken war. Nachdem der Leim angezogen hatte, habe ich die Grundplatte geschliffen.

Schleifen der Grundpatte mit dem Exzenterschleifer

Winkeleinstellungen mit Anschlagblöcken herstellen

Ablängen der Anschlagblöcke

Die Anschlagblöcke habe ich aus einem Stück Leimholz mit den Maßen 120 mm x 50 mm geschnitten. Da das Stück sehr klein war, kann es nicht sicher mit der Hand geführt werden. Die Hand wäre im Gefahrenbereich der Kreissäge.

Daher habe ich ein Opferholz verwendet, um das Holz zu führen. Gleichzeitig habe ich das Holz mit einem Schiebestock seitlich stabilisiert. Das Opferholz muss natürlich lang genug sein, damit der abgelängte Anschlagblock durch den kompletten Sägeweg geschoben werden kann, ohne dass die Finger am Ende in die Nähe des Sägeblattes kommen.

Ablängen der Anschlagblöcke mit einem Operholz.

Anbringen des 90° Anschlagblocks

Um das zu schärfende Eisen einfach im rechten Winkel in der Schärfführung einspannen zu können, wird ein Anschlagblock auf einer Seite der Grundplatte aufgeleimt.

Damit der 90° Winkel exakt wird, habe ich Holzleim aufgetragen und den Block mit den Fingern ca. eine Minute auf die Grundplatte aufgepresst. Der Leim zieht dadurch ein wenig an und der Stoppblock verrutscht nicht mehr von alleine.

Den Block habe ich anschließend mit einem Schreinerwinkel im rechten Winkel zur Vorderseite der Grundplatte ausgerichtet. Damit sich der Leim richtig verbindet, habe ich den Stoppblock mit meinem Einhandhobel beschwert.

Aufleimen des 90° Anschlagblocks im rechten Winkel zur Vorderseite der Grundplatte

Der 90° Anschlagblock ist notwendig, wenn man eine Schärfführung hat, die das Hobeleisen nicht automatisch ausrichtet. Dies ist bei meiner Schärfführung der Fall, weil sie das Hobeleisen von oben klemmt. Bei einer Zweibackenschleifführung richtet das Eisen selbst aus. Dazu muss sie allerdings genau gearbeitet sein, was die meisten Fertigungen aus China nicht sind.

Der 90° Stoppblock dient zum Ausrichten des zu schärfenden Eisens

Aufleimen der Stoppblöcke

Das Aufleimen der Stoppblöcke folgt einem einfachen Prinzip: Ein breites Hobeleisen wird mit Hilfe des 90° Stoppblocks eingespannt und in der Länge so lange verstellt, bis der Anschliffwinkel stimmt. Den Winkel überprüfe ich mit einem Neigungsmesser.

Stimmt der Anschliffwinkel, dann leime ich einen Anschlagblock an der Vorderkante des Hobeleisens auf die Grundplatte. Da das Hobeleisen rechtwinklig eingespannt ist, wird der Block ebenfalls im rechten Winkel zur Vorderkante der Platte aufgeleimt.

Das Hobeleisen wird mit dem Anschlagblock rechtwinklig eingespannt.

Der richtigen Anschliffwinkel wird folgendermaßen eingestellt:

  • Zuerst wird der Neigungsmesser auf die Grundplatte gestellt und genullt. So zeigt er den Winkel relativ zu seiner Oberfläche an.
  • Der Neigungsmesser wird mit den integrierten Magneten auf dem Hobeleisen befestigt.
  • Das Hobeleisen wird am 90° Block ausgerichtet und in der Schärfführung eingespannt.
  • Die Schärfführung wird auf die Grundplatte gestellt und der Winkel überprüft.
  • Das Hobeleisen wird so lange am 90° Block in der Länge verschoben, bis der Schärfwinkel passt.

Das Verschieben des Hobeleisens ist mehr ein Raten, als ein Wissen. Ich hätte den Winkel auch ausrechnen können (Guten Tag Mathe, Dreisatz und Pythagoras), aber es ist schneller das über das Probieren zu machen.

Grundsätzlich gilt: Je weiter das Hobeleisen übersteht, desto kleiner wird der Anschliffwinkel. Je kürzer das Hobeleisen übersteht, desto größer wird der Anschliffwinkel.

Es ist wichtig, zu wissen, was der Anschlag der Schärfführung ist. Bei meiner ist es nicht die Aluminiumvorderkante, sondern die schwarze Plastikaufnahme für die Rolle, auf welche die Aluminiumplatte aufgeschraubt ist. Wenn Du – so wie ich – die Schärfführung von Dictum verwendest, musst Du darauf achten.

Ausrichten des Hobeleisens auf den korrekten Schärfwinkel

Letzten Endes ist es egal, ob der Schärfwinkel exakt 25,0° beträgt oder 24,8° bzw. 25,2°. Wer keine Lust hat, lange herumzuprobieren, kann auch einen annähernd genauen Winkel nehmen.

Grundsätzlich haben Deine Hobeleisen und Stechbeitel vermutlich keine exakt gleichen Schneidwinkel angeschliffen. Sie werden beim ersten Schärfen mit der Winkeleinstellhilfe also sowieso ein wenig umgeschliffen.

Nach dem ersten Schärfen ist der Schärfwinkel dann wiederholgenau und das Schärfen geht sehr schnell. Dem Holz ist es egal, ob es mit 24,8°, 25,0° oder 25,2° gehobelt wird.

Ausrichten des Anschlagblocks am Hobeleisen. Hier habe ich die falsche Kante (die Aluminiumkante) an der Schärfführung als Anschlag genommen. Den Block musste ich nochmal entfernen und erneut aufleimen.

Die Entfernung des Stoppblocks zur Vorderkante wird durch das eingespannte Hobeleisen bestimmt. Da es rechtwinklig eingespannt ist, ist es einfach, den Block rechtwinklig aufzuleimen:

Ich habe den Stoppblock am eingespannten Hobeleisen ausgerichtet und damit hatte es sich. Damit er nicht verrutscht, habe ich ihn mit den Fingern angedrückt, bis der Leim ein wenig angezogen hat. Dann habe ich es noch einmal am Eisen ausgerichtet, mit dem Schreinerwinkel überprüft und dann mit einem Klinkerstein beschwert.

Kontrollieren der Rechtwinkligkeit des Anschlagblocks.

Diese Schritte habe ich für die sechs Winkel (15°, 20°, 25°, 30°, 35°, und 40°) wiederholt. Wenn der Leim des letzten Anschlagblocks angezogen hat, ist die Winkeleinstllhilfe im Prinzip fertig. Es fehlt nur noch die Oberflächenbehandlung.

Oberflächenbehandlung

Die Oberflächenbehandlung ist bei einem Jig zweitrangig und optional. Ich habe die Werkstatthilfen dennoch mit Rustins Teak Oil geölt.

Ölen des Winkeleinstellbretts mit Teak Öl

Nachdem das Öl ausgehärtet ist, kann das Winkeleinstellbrett benutzt werden. Die Anwendungsbeispiele findest Du am Anfang des Artikels.

Wenn Du Verbesserungsvorschläge oder andere Anmerkungen zu dem Winkeleinstellbrett hast, freue ich mich über einen Kommentar.

Kommentare

Torsten

Hallo , ich finde du hast den Bau des Winkelbrettes sehr gut und übersichtlich Beschrieben 👍

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